Künstlerin im Porträt: Carmela Caldart

Die in Brasilien geborene und in Barcelona lebende Künstlerin Carmela Caldart schafft lebendige Bilder, in denen Körper, Intimität und Identität frei und ohne Entschuldigung existieren. In ihren Arbeiten treffen kräftige Farben, verspielte Formen und fluide Figuren aufeinander und erzählen von Queerness, Empowerment und alltäglicher Verbundenheit.

Die Botschaft ist einfach und stark: Du selbst zu sein, ist cool.

16. März 2026

Person sitzt lächelnd auf dem Boden, umgeben von bunten abstrakten Kunstwerken, in schwarzem Outfit und mit tätowierten Armen.
Bunte Illustration von drei ausdrucksstarken, stilisierten Gesichtern mit leuchtenden Haaren und Schmuck. In knalligen Buchstaben steht „We Will Always Be Here“.

Selbstbewusstsein in jeder Kurve

In Carmelas Universum geht es bei Sinnlichkeit nie um Schockeffekte, sondern um Präsenz, Selbstvertrauen und Zärtlichkeit. Mit Illustration, Keramik und Animation entwickelt sie eine Bildsprache, in der sich Körper verwandeln, bewegen und voller Freude Raum einnehmen.

Aufgewachsen in Brasilien und geprägt von Jahren zwischen verschiedenen Orten und Kulturen, bringt Carmela eine vielschichtige Perspektive in alles ein, was sie erschafft. Das portugiesische Wort Saudade, ein Gefühl irgendwo zwischen Nostalgie und Sehnsucht, findet oft den Weg in ihre Arbeiten. Man sieht es in der stillen Intimität ihrer Figuren, in verweilenden Blicken und in der Wärme, die ihre Kompositionen ausstrahlen.

Zwischen Illustration, Animation und Keramik geht Carmela intuitiv und mit viel Lust am Experimentieren an ihre Arbeit heran. Mit ihren Figuren erkundet sie Repräsentation und Selbstwert: Körper, die sich frei bewegen, zu Mustern werden, über Oberflächen tanzen und stolz ihren Platz einnehmen.

Freude, Intimität und Identität in Bildern

StickerApp: Deine Arbeit bewegt sich zwischen Illustration, Animation und Keramik. Wie hat dein Weg von Brasilien nach Barcelona deinen kreativen Werdegang geprägt, und wie beeinflussen deine brasilianischen Wurzeln heute deine künstlerische Identität?

Carmela: Ich bin viel umgezogen, innerhalb Brasiliens und ins Ausland, und das hat geprägt, wie ich arbeite. Ich bin neugierig, anpassungsfähig und habe immer Lust, neue Medien zu lernen. Je länger ich außerhalb Brasiliens lebe, desto mehr tauchen seine Themen in meiner Arbeit auf. Wir haben im Portugiesischen ein Wort, Saudade, was so viel bedeutet wie „eine Mischung aus Nostalgie und Sehnsucht“, und ich glaube, dieses Gefühl zeigt sich oft in dem, was ich erschaffe. Brasilianerin, Latina, queer und eine Frau zu sein, all das beeinflusst meine Arbeit auf unterschiedliche Weise.

StickerApp: Wie prägen deine Werte und Erfahrungen das Selbstbewusstsein und die Haltung deiner Figuren?

Hand hält einen bunten, illustrierten Sticker mit abstrakter Darstellung einer Person, Sternen und leuchtenden Farben, beschriftet mit „NSFW“.

Carmela: Meine Figuren haben sich mit mir weiterentwickelt. Als ich in meiner Arbeit selbstbewusster und verspielter wurde, nahmen sie mehr Raum ein und probierten verschiedene Formen und Stile aus.

Sie verkörpern, was ich an Menschen schätze: Freude, Selbstbewusstsein, Gelassenheit und Stolz auf das, was sie sind. Egal, welche Form sie annehmen, ob sie tanzen, posieren oder zu Mustern werden, sie sind immer kompromisslos sie selbst.

StickerApp: Farbe, Textur und Bewegung stehen im Mittelpunkt deiner Illustrationen. Wie gehst du in deinem kreativen Prozess damit um?

Carmela: Mein Prozess ist sehr intuitiv. Ich fange mit Skizzen an und erkunde Komposition, Größenverhältnisse und Posen. Wenn sich die Zeichnung richtig anfühlt, kommen Farbe und Textur dazu.

Jedes Medium verlangt einen anderen Ansatz. Bei digitalen Arbeiten nutze ich texturierte Pinsel für einen handgezeichneten Look. Bei Keramik trage ich Unterglasur in Schichten auf, um diese gemalte Textur zu erhalten. Herauszufinden, was jeweils am besten funktioniert, gehört zu den spannendsten Seiten meiner Arbeit.

Abstrakte Sticker mit pastellfarbenen Figuren in Kreis-, Herz- und Dreiecksformen auf schwarzem Hintergrund.

StickerApp: Du beschäftigst dich mit Themen wie Queerness und Empowerment. Wie kann verspielte Illustration intime oder politische Ideen transportieren, ohne laut zu sein, und was sollen die Leute aus deiner Arbeit mitnehmen?

Carmela: Kunst ist eine der stärksten Möglichkeiten, Ideen zu vermitteln. Mit Illustration kann man schwerere Themen auf leichtere, zugänglichere Weise angehen. Durch Farbe, Bewegung und Figuren lässt sich über Identität, Repräsentation und Community sprechen, ohne zu direkt zu werden. Ich glaube, alles, was Kunstschaffende erschaffen, trägt etwas Intimes und Politisches in sich.

Ich hoffe, dass die Leute Freude und Verbundenheit spüren, wenn sie meine Arbeiten sehen, ganz gleich, ob sie sich in einer Figur wiedererkennen oder einfach in ein vertrautes Gefühl versetzt werden.

Dieser Moment des Wiedererkennens gehört zu den stärksten Dingen, die Kunst bewirken kann.

Person steht auf einer Leiter und malt ein farbenfrohes Wandbild auf das Metallrolltor eines Ateliers vor einer verzierten Gebäudefassade.

StickerApp: Wie entscheidest du, was du öffentlich teilst und was du lieber für dich behältst?

Carmela: Früher habe ich meine Skizzenbücher sehr privat gehalten, fast wie ein Tagebuch. Heute teile ich viel mehr. Manchmal bleiben Ideen privat, bis sie sich fertig anfühlen, aber oft teile ich gern meinen Prozess, vor allem bei handgemachten Arbeiten wie Keramik oder Malerei.

Instagram hilft dabei, die Dinge ganz natürlich zu trennen: das Grid für fertigere Arbeiten, Stories für Experimente und Prozess.

StickerApp: Deine Arbeit feiert Körper und Intimität voller Freude. Wie erschaffst du sinnliche oder NSFW-Bilder, die stärken und zugänglich bleiben?

Carmela: Ich mag es, Arbeiten zu schaffen, die sich echt und nahbar anfühlen und gleichzeitig die Schönheit des Alltags und von Beziehungen zeigen. Intimität ist nicht immer sexuell – kann es aber sein – und ich erkunde gern die verschiedenen Formen von Intimität, die Teil meines Lebens sind.

Es fühlt sich natürlich an, Körper mit unterschiedlichen Proportionen zu zeichnen oder Körper, die sich in abstrakte Formen verwandeln, mit Farben und Texturen, die nicht streng realistisch sind: eine Mischung aus der realen Welt und einem verspielteren Ansatz.

StickerApp: Welchen Rat würdest du Kunstschaffenden geben, die mutiges, inklusives und body-positives visuelles Storytelling ausprobieren wollen?

Carmela: Macht es einfach!! Mein Rat: ausprobieren und experimentieren. Erkundung und Repräsentation sind wichtig, aber am besten findet man die eigene Stimme, indem man spielt und entdeckt, was sich für einen natürlich anfühlt.

Inklusivität und Body Positivity wirken stärker, wenn sie sich normal und echt anfühlen. Statt in jedem Werk alle repräsentieren zu wollen, ist es aussagekräftiger, das über das gesamte eigene Werk hinweg zu normalisieren – indem man darstellt, was man aus dem eigenen Leben kennt und erlebt.

Vielen Dank für das Gespräch, Carmela! Mehr von Carmela findest du auf ihrem Instagram @carmelacaldart oder auf ihrer Website.


Person smiling in front of a bookshelf with neatly arranged books. Black and white image with a wooden background.
Autor
Annie
Continue